Feature
Der Aaretaucher Dave holt aus der Aare, was andere versenkt haben – seine Fundstücke sammelt er in seinem eigenen Fundbüro.
David Godio taucht dort, wo andere meist baden – und findet dabei Dinge, die für immer verloren geglaubt sind. Was mit einem verlorenen Smartphone einer Aareschwimmerin beginnt, wird für David Godio zur Leidenschaft – und macht ihn zum vielleicht ungewöhnlichsten Sammler der Region. Während andere Briefmarken oder Münzen sammeln, durchkämmt der Berner systematisch den Grund der Aare auf der Suche nach Verlorenem. Die Aare und das Flussschwimmen sind ein wichtiger Teil der Berner Stadtkultur. Viele Menschen lassen sich jeden Sommer schwimmend oder auf Gummibooten Aareabwärts treiben – dementsprechend landet auch einiges im Fluss. Für David Godio wird der Fluss so zu einer endlosen Schatzkammer.
Häufige Aarefundstücke: verlorene Mobiltelefone. Foto: David Godio
Das Finderglück begleitet David Godio schon seit seiner Kindheit: «Von klein auf finde ich immer Sachen, egal wo.» Auch zu sammeln beginnt er früh – Murmeln, Bierdeckel und vieles mehr. Noch bevor Godio mit dem Tauchen in der Aare beginnt, sucht er schon am Flussufer noch angeschwemmten Fundstücken. Später probiert er es mit Magnetfischen. Seit 2018 durchkämmt er die Aare – ausgerüstet mit Luftmatratze, Neopren-Taucherbrille, Schnorchel und dem unverzichtbaren Aaresack für die Fundstücke. Dies, obwohl ihm seine Mutter als Kind immer sagt: «Gang nie id Aare, das isch gfährech».
Was treibt einen Menschen dazu, systematisch Flussböden abzusuchen? Neben seiner Sammelleidenschaft ist es für Godio auch das Gefühl, im Wasser zu sein. «Jeder Tauchgang ist mit Spannung, Vorfreude und Action verbunden. Alles kann zu jeder Zeit überall sein, und man weiss nie, was man findet und welche Geschichten dahinterstecken.»
Das Finden steht für Godio im Fokus – nicht der Wert der Gegenstände. «Je mehr, desto besser», lautet seine Devise. Und die Aare liefert: Schmuck, der sich zwischen den Steinen versteckt, Elektrogeräte, die im Schlamm ruhen, oder Drohnen, die zur letzten Landung angesetzt haben. Smartphones aller Generationen – vom robusten Nokia-Klassiker bis zum neuesten iPhone – bilden eine Art Museum am Flussgrund. Sogar Waffen und ein Münzschatz sind ihm schon begegnet.
Über die Jahre eignet sich Godio grosses Expertenwissen an: gute Plätze, das richtige Tauchwetter und ein Gespür für den Fluss. Einen seiner denkwürdigsten Funde beschreibt Godio wie einen Krimi: Es ist ein grünes iPhone 13, das ihm buchstäblich durch die Finger rutscht. «Beim Tauchen sehe ich es im Augenwinkel – ganz knapp. Sofort versuche ich, es wieder zu finden. Erfolglos.»
Der Gedanke daran lässt ihn nicht mehr los. Monatelang kehrt er immer wieder zur selben Stelle zurück, taucht ab, sucht, kommt mit leeren Händen nach oben. Eine Sisyphus-Arbeit. Aber dann zahlt sich die Hartnäckigkeit aus: Nach zigfachen vergeblichen Versuchen taucht das Smartphone plötzlich vor ihm auf. «Eine Millisekunde zum Überlegen, ein Handgriff – und ich habe es.»
David Godio sammelt jedoch nicht nur – er wird zum Wiedervereiner. Mit seinem eigenen Aare-Fundbüro versucht er, verlorene Gegenstände mit ihren rechtmässigen Besitzern zu vereinen. Teilweise funktionieren Smartphones mit Wasserschaden erst einige Zeit nach dem Bergen wieder, wenn sie getrocknet sind. Teilweise sind die Smartphones so beschädigt, dass Godio den aufgeblähten Akku aus Sicherheitsgründen entfernen muss – die Chance auf eine Wiedervereinigung ist damit dahin.
Das Aare-Fundbüro-System funktioniert auch umgekehrt: Wer etwas in der Aare verliert, kann sich bei David melden.
Im Rahmen der Ausstellung «Blubbb. Die Fundstücke des Aaretauchers Dave» (10.05.2025-21.09.2025) zeigte der Aaretaucher Dave einen Teil seiner Fundschätze. Einen Eindruck von Daves poetischem Sammelsurium können Sie sich jedoch weiterhin in unseren Videos auf YouTube verschaffen.
«Blubbb» digital
Du möchtest am liebsten einmal selbst auf den Flussgrund der Aare tauchen? Hier gelangst du zur digitalen Erweiterung der Ausstellung – lass dich gemütlich die Aare hinunter treiben und entdecke spannende und lustige Geschichten aus dem Fluss.
blubbb.ch
Interview
Fast acht Jahre nach dem Tod des Speed-Kletterers Ueli Steck übergibt seine Frau dessen Nachlass ans ALPS und eröffnet eine Kletterhalle.
13. agosto 2025
Feature
Von Deutschland nach Kullorsuaq: Birgitta Kammann Danielsen über Alltag, Wahlen und Trumps Annexionspläne.
11. agosto 2025
Out of the box
Im Fundbüro für Erinnerungen erzählen ALPS-Besucher:innen ihre Berggeschichten und reden bei der Auswahl von Sammlungsobjekten mit.