Museo Alpino Svizzero

Wer sammelt eigentlich wie und warum? Mit dem Fundbüro für Erinnerungen sammelt das ALPS Objekte, Wissen und Geschichten von Besucher:innen und anderen Alltags-Expert:innen. Die Ausstellung im Stil eines Schaulagers wächst dadurch laufend und wird vielfältiger – was am Schluss in die Sammlung aufgenommen wird: Darüber entscheidet das Publikum. 

Die Himalaya-erprobte Daunenjacke aus den 1970er Jahren mit selbst ersetztem Reissverschluss? Der Generationen-Pullover aus reiner Schurwolle? Oder doch die Rettungsdecke, die ihren Besitzer vor dem Erfrieren bewahrte? Das laufende Fundbüro «Repair» macht das Reparieren und Flicken von Bergsportmaterial zum Thema und knüpft damit an hochaktuelle Diskussionen rund um Nachhaltigkeit, Konsumkritik oder Sicherheit im Alpinismus an.

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Lukas Hinterberger mit seinem beschädigten Eispickel, den er anschliessend aufwändig repariert hat. Bild: zVg

Wer sammelt, entscheidet über Sichtbarkeit
Vor nicht allzu langer Zeit hätte ein Gremium aus Kuratoren und Historikern (hier bewusst nicht gegendert) darüber entschieden, welches der Objekte es wert sei, in der Sammlung des Hauses für die Nachwelt bewahrt zu werden. Dass dies heute im ALPS und in vielen anderen Sammlungen anders läuft, ist Ausdruck einer veränderten Haltung. Die Museen sind sich der Macht und Verantwortung bewusst, die mit dem Sammeln verbunden sind – und auch ihrer eigenen blinden Flecke. Sammlungen verkörpern einen Blick auf die Welt, der weder vollständig noch objektiv sein kann. Die Auswahl des Bewahrten entscheidet über Sichtbarkeit oder Vergessen. Prozesse des Sammelns werden deshalb zunehmend reflektiert und nach neuen Methoden gestaltet. Im Fundbüro sollen die Besucher:innen verhandeln und mitentscheiden können, was für ihre Söhne, Töchter und Enkel dereinst wichtig und aufschlussreich sein kann.

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Elisabeth Michellod hat den Jagdrucksack ihres Mannes mehrmals repariert. Bild: zVg.

Zugänglich für alle – jederzeit?

Wenn das Publikum über Gesammeltes entscheidet, dann sollte es auch bestmöglichen Zugang dazu haben. Zusätzlich zum Raum im Untergeschoss am Helvetiaplatz betreibt das ALPS deshalb ein E-Fundbüro, mit dem es schon vor der Pandemie seine erste Online-Ausstellung lancierte. Persönliche Geschichten verleihen hier historischen und neueren Fotografien von Menschen und Objekten Anschaulichkeit und Tiefe – und verknüpfen sie mit der Aktualität. Von einer kompletten digitalen Sammlung ist allerdings auch das ALPS noch ziemlich weit entfernt. Dabei geht es nicht nur um Fragen wie etwa einen öffentlichen Zugang in die Sammlungsdatenbank. Potenzielles Sammlungsgut in Form von Posts, Websites, Videos, Scans, NFTs oder Memes fordern die Museen heute einmal mehr heraus, ihr Selbstverständnis und ihre Sammlungstätigkeit neu zu denken.

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1934 in Adelboden: Eine Frau flickt die Hosen ihrer Kollegin. Bild: Hanni Bernhard.

Das Fundbüro für Erinnerungen

Mit dem Thema «Skifahren» lancierte das ALPS 2020 das partizipative Sammlungsprojekt Fundbüro für Erinnerungen – unterstützt und gefördert durch den Migros-Pionierfonds sowie später durch die Stiftung SKKG. Es folgten die Themen «Frauen am Berg» sowie «Repair» – jeweils mit einer Laufdauer von rund zwei Jahren. Ab 2026 spürt das Fundbüro der menschlichen Vorliebe für alle Arten von Berg-Souvenirs nach. Das Prinzip ist immer das Gleiche: Mit Beiträgen aus der Bevölkerung will das ALPS Lücken in seiner Sammlung schliessen und Inhalte mit Erfahrungswissen anreichern. Eigene Geschichten können direkt in der Video-Box des Fundbüros aufgenommen werden.

Objekt-Eingaben erfolgen auf Anmeldung über das e-Fundbüro.  

Welches Berg-Souvenir würdest Du in die Sammlung geben?

Schick uns ein Foto deines Bergsouvenirs mit der zugehörigen Geschichte per Mail an kommunikation@alps.museum oder schreib uns auf Instagram. Wir sind gespannt!